In der gestrigen Sitzung der Bürgerschaft wurde das Vorhaben, den riesigen Möbelkonzern XXXLutz bei den Lokschuppen anzusiedeln, beraten. Die vorab an einem anderen Ort beschlossene Ansiedlung musste verschoben werden, da sich der ursprünglich geplante Standort als zu problematisch erwies für eine derart große Ansiedlung. Unter dem Vorwand, dass das Gelände der Lokschuppen endlich genutzt werde, sollte die Ansiedlung schmackhaft gemacht werden – jedoch bezahlt XXXLutz lediglich die Zufahrt zu den Lokschuppen; wie die Lokschuppen als solche instand gebracht werden, bleibt offen. Unsere Fraktionsvorsitzende Ute Bartel sagte dazu in der Bürgerschaftssitzung:

„Die Ansiedlung des Möbelmarktes XXXLutz auf dem neuen Gelände scheint eine große Chance für die Erhaltung, den Ausbau und die sinnvolle Nutzung der denkmalgeschützten Lokschuppen zu sein.

Ein solcher Schritt kann aber nur vertretbar sein, wenn diese Ansiedlung nicht nur den Lokschuppen, sondern auch der Stadt insgesamt zugutekommt und nicht schadet. Das neue Möbelhaus von XXXLutz wird doppelt so groß sein wie der Strelapark und schon dadurch eine große Anziehung haben. Die Auswirkungen auf die mittelständische Wirtschaft sind offensichtlich und unbestritten: Verdrängung des bisherigen mittelständischen Möbelhandels. Denken Sie daran, es handelt sich hier nicht nur um den Markteintritt eines weiteren Wettbewerbers, sondern um die Errichtung einer gigantischen Filiale eines der größten Möbelhändler der Welt.

Soziale Marktwirtschaft sieht anders aus! Dass dies gerade in der CDU, als vermeintlichen Hüterin des Mittelstandes, nicht gesehen wird, ist befremdlich, zumal dieser Möbelgigant seine Steuern nicht in Stralsund zahlen wird.

Ohne Frage müssen wir die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher berücksichtigen. Den Möbelkauf, größere Auswahl, anderes Design. Aber seien Sie mal ehrlich, wie oft kaufen Sie Möbel? Die Umsatzstatistiken von IKEA zeigen: Den größten Anteil haben nicht die Möbel, sondern die anderen, meist kleineren Sachen, im großen gelben Beutel. So wird es auch bei XXXLutz sein. Diese Sachen, Kleinigkeiten, werden oft verharmlosend als „Randsortimente“ bezeichnet, aber es sind Fachsortimente, deren Flächenbegrenzung erfahrungsgemäß schwer zu kontrollieren ist. Ganz klar, dass eine solch riesige Ansiedlung eine Gefahr für andere Anbieter gerade in der Altstadt ist, ob WMF oder Depot. Aber auch die Kaufhausketten wie Peek und Cloppenburg oder H&M haben schon und werden in noch größerem Umfang reagieren. P&C hat das Kindersortiment gerade aus dem Angebot genommen, auch H&M hat sein Sortiment beschnitten. Die Zeiten, als wir das erste Mal über eine Ansiedlung von XXXLutz abstimmten, auch da schon mit einem äußerst knappen Votum, haben sich extrem verändert. Wer sich noch nicht vom boomenden, verdrängenden Online-Handel überzeugt hat, sollte das in Rostock genießen: eine 500m lange, kompakte Versandzentrale von Amazon.

Wir stellen heute die Weichen für die Entwicklung unserer Stadt, deren Anziehungskraft immer noch in der Altstadt liegt. Heute gibt es noch viele Kunden aus dem Umland, auch aus der Hansestadt Greifswald. Der Grund: die Vielfältigkeit des Einkaufs. Wann ist damit Schluss?

Heute? Unser Fazit: Lokschuppen retten, aber nicht um den Preis der Ansiedlung von XXXLutz. Stattdessen wird die Verwaltung aufgefordert, zügig ein Konzept für Erhalt und Nutzung der Lokschuppen zu entwickeln und gegebenenfalls Fördermittel einzuwerben.“

Wir werden der Ansiedlung weiterhin kritisch gegenüberstehen und den weiteren Prozess kritisch begleiten.


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