Titel: Nutzung von Elektromobilität
Datum: 22.11.2018
Federführung: SPD-Fraktion
Einreicher: Dr. Heike Carstensen


Anfrage:

  • Gibt es ein Elektromobilitätskonzept für den städtischen Fuhrpark?
  • Wie viele Elektrofahrzeuge werden in der Stadtverwaltung Stralsund und deren kommunalen Betrieben regemäßig genutzt? Bitte für Stadtverwaltung und einzelne Betriebe getrennt ausweisen.
  • In welchem zeitlichen und finanziellen Rahmen können Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks auf Elektrobetrieb umgestellt werden? (Bitte auch für die kommunalen Einrichtungen angeben.)

Begründung:

Der Hansestadt Stralsund kommt bei der Verbreitung der Elektromobilität eine wesentliche Vorbildrolle zu, der sie beispielsweise mit der eigenen, regelmäßigen Nutzung gerecht werden kann.


In der 10. Sitzung der Bürgerschaft am 06.12.2018 antwortete Herr Bogusch wie folgt:

zu 1.)
Die Stadtverwaltung ist bestrebt, den Bestand an Elektrofahrzeugen auszubauen. Dazu gehört auch, dass an den Standorten der Fahrzeuge eine Ladeinfrastruktur geschaffen wird, so wie dies bereits für das Amt für Planung und Bau in der Badenstraße 17 erfolgt ist. Ein Konzept zur Elektromobilität liegt bei der Stadtverwaltung nicht vor.
Allerdings entwickeln gegenwärtig die Stadtwerke Stralsund mit Partnern ein Elektromobilitätskonzept, welches spätestens bis Mitte 2019 vorliegen soll. Die Stadtwerke übernehmen hier eine Vorreiterrolle hinsichtlich der Elektromobilität. Neben der bereits errichteten öffentlichen Ladeinfrastruktur soll auch der Ausbau der gewerblichen und privaten Ladeinfrastruktur einschließlich der Energieversorgung durch die Stadtwerke weiter gefördert und forciert werden. Auch bieten die Stadtwerke ihren Kunden heute schon die Möglichkeit, kostenlose Probefahrten mit den vorhandenen Elektrofahrzeugen durchführen zu können, um für die Elektromobilität zu werben.

zu 2.)
Die Stadtverwaltung verfügt über 12 Pkw und 39 LKW einschließlich Ackerschlepper und Zugmaschinen. Hinzu kommen bei der Feuerwehr 7 Pkw und 15 LKW und beim städtischen Eigenbetrieb Zentralfriedhof 4 LKW bzw. Ackerschlepper. Insgesamt verfügt die Verwaltung gegenwärtig über ein Elektrofahrzeug. Es handelt sich hierbei um einen Kleinst-Lkw, der im Zoo stationiert ist. Die Berufsfeuerwehr verfügt über einen Kommando-Wagen mit Hybrid-Antrieb und im Dezember 2018 wird noch ein Hybrid-Auto als Dienstwagen geliefert.
Bei den städtischen Tochterunternehmen verfügt nur die SWS Energie über 3 Elektrofahrzeuge. Bei den anderen städtischen Unternehmen sind keine Elektrofahrzeuge vorhanden.
Im Einzelnen stellt sich der Fahrzeugbestand wie folgt dar:
Die SWS Stadtwerke Stralsund Gruppe verfügt über insgesamt 104 Fahrzeuge, davon 3 Elektrofahrzeuge. Aufgeteilt auf die einzelnen Gesellschaften der Stadtwerke Stralsund ergeben sich für die
SWS Stadtwerke Stralsund 8 Fahrzeuge
SWS Energie 37 Fahrzeuge, davon 3 Elektrofahrzeuge
SWS Netze 2 Fahrzeuge,
SWS Telnet 2 Fahrzeuge
SWS Natur 1 Fahrzeug
SWS Seehafen 6 Fahrzeuge
REWA 48 Fahrzeuge
Die weiteren Unternehmen verfügen über folgende Fahrzeuge:
SWG 20 Fahrzeuge
SIC 12 Fahrzeuge
LEG 3 Fahrzeuge
Stralsunder Innovations- und Gründerzentrum 1 Fahrzeug
SES 4 Fahrzeuge
Stralsunder Werkstätten 39 Fahrzeuge
Wohlfahrtseinrichtungen 4 Fahrzeuge
Theater Vorpommern 15 Fahrzeuge
Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern 2 Fahrzeuge
Berufsförderungswerk Stralsund 22 Fahrzeuge

zu 3.)
Bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge wäre zu unterscheiden zwischen den Pkw und den Lkw. Während bei den Lkw mit wenigen Ausnahmen noch keine geeigneten Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf dem Markt sind und daher der Ersatz nur sehr eingeschränkt möglich ist, wäre eine Umstellung auf Elektroantrieb bei den Pkw möglich. Die Stadtverwaltung konnte bereits positive Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen sammeln.
Die Pkw der Stadtverwaltung werden in der Regel über Leasing finanziert, mit einer Vertragslaufzeit von maximal 4 Jahren, das heißt, innerhalb von 4 Jahren erneuert sich der Pkw-Bestand der Stadtverwaltung. Hinsichtlich der Fahrzeugverfügbarkeit und Lieferfristen für die Elektrofahrzeuge sowie der Kosten der Elektrofahrzeuge gibt es jedoch Einschränkungen bei der Beschaffung.
So wurde in 2018 bereits der Ersatz von drei Pkw durch Elektrofahrzeuge auf Leasingbasis öffentlich ausgeschrieben. Auch unter Berücksichtigung der grundsätzlich höheren Preise bei Elektrofahrzeugen wurde kein wirtschaftlich vertretbares Angebot abgegeben, so dass die Ausschreibung aufgehoben werden musste. Die Ausschreibung soll in 2019, gegebenenfalls in angepasster Form, wiederholt werden.
Die Angebote für die Leasingfahrzeuge mit Elektroantrieb lagen beim 2 - 3 fachen der Leasingkosten für Fahrzeuge mit Benzinmotor. Sollte auch zu diesen Konditionen die Anschaffung von Elektrofahrzeugen erfolgen, wäre hierzu zunächst für den nächsten Doppelhaushalt 2020/2021 eine entsprechende Erhöhung der Haushaltsansätze erforderlich.
Zielstellung sollte es jedoch sein, nicht pauschal den Fuhrpark auf eine Antriebstechnologie wie den Elektroantrieb zu beschränken, sondern den Fuhrpark abhängig von der Nutzungscharakteristik unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit mit unterschiedlichen Antriebstechnologien auszustatten. So kommen beispielsweise für größere Reichweiten auch Fahrzeuge mit Erdgasantrieb, die mit Bio-Methan betankt werden können, in Betracht.
Um einen besseren Überblick zur Nutzungscharakteristik der Fahrzeuge zu erhalten, erproben die Stadtwerke Stralsund gegenwärtig ein digitales Fuhrparkmanagement, in das auch die Fahrzeuge der Stadtverwaltung oder anderer städtischer Betriebe aufgenommen werden könnten. Dieser Lösungsansatz umfasst ebenfalls ein geschlossenes (also nicht-öffentliches), stationäres Carsharing (Fahrzeugepools), das in 2019 eingeführt wird und schrittweise ausgebaut werden soll.
Frau Dr. Carstensen dankt für die Ausführungen und ist erfreut, dass sich die Verwaltung mit der Thematik auseinandersetzt. Sie bedauert, dass die Nutzung von Elektromobilität aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht wie gewünscht umsetzbar ist.


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