Datum: 18.11.2020
Einreicher: SPD-Fraktion
Federführung: SPD-Fraktion
Vorlage: 0190/2020


Beschlussvorschlag:

Die Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund beschließt:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, unverzüglich* geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den zunehmenden Problemen des Einzelhandels in der Innenstadt entgegenzuwirken.


Begründung:

Die Umsatzprobleme des innerstädtischen Einzelhandels nehmen dramatisch zu. Praktisch täglich berichten die Medien bundesweit insbesondere über die Warnungen von Handelsverband Deutschland (HDE) und IHK, bis zu 50.000 Einzelhandelsstandorte in Deutschlands Innenstädten seien existenziell gefährdet; es drohe eine Verödung der Innenstädte. Dies betrifft vor allem Bekleidungsgeschäfte, die einen Kernbereich der Stralsunder Altstadt darstellen.

Schon vor Corona war ein stetiger Anstieg des Online-Handels zu beobachten. Diese Tendenz ist durch Corona deutlich verstärkt worden, und es ist kaum damit zu rechnen, dass diese Umsätze in die Innenstädte zurückkehren werden. Hinzukommt, dass Shoppen mit Maske und ohne begleitenden Museums-, Café- oder Restaurantbesuch kaum wirklich Spaß macht und deshalb nur noch sehr eingeschränkt stattfindet.

Nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland werden die Probleme im bevorstehenden Winter massiv zunehmen. Rostocker Händler sind verzweifelt: “Im Frühjahr ist die Innenstadt tot!“ (OZ 16.11.) Und besonders in der Stralsunder Altstadt macht sich das Ausbleiben der Touristenströme deutlich bemerkbar.

Umso wichtiger ist es, jetzt rasch wirksame Unterstützung zu entwickeln und anzubieten und dazu die breite Expertise von HDE und IHK zu nutzen. Dabei kommen insbesondere folgende Maßnahmen in Betracht:

  • Angebot zur Hilfe bei Mietproblemen zur Vermeidung von Geschäftsaufgaben und evtl. anschließenden Leerständen durch Erarbeitung eines Gewerbemieten- Katasters
  • Schaffung eines flächendeckenden WLAN- Angebotes für die Altstadt
  • Bildung eines „Arbeitskreises Altstadt“ von städtischer Wirtschaftsförderung und interessierten Einzelhändler*innen
  • Erarbeitung eines Einkaufsführers für die Altstadt nach Vorbild der Stadt Verden(Aller)
  • Erarbeitung einer gemeinsamen Online- Plattform für den Einzelhandel der Altstadt
  • Programm zur Nutzung leerstehender Schaufenster – siehe Programm „Schlaufenster“ der Stadt Einbeck
  • Entwicklung von kleineren Marketing- Events insbesondere auch kultureller Art (Kleinkunst, Straßenmusik u.v.m.) für die Zeit nach Corona.

Manche Einzelhändler*innen klagen zudem darüber, dass sie in den Überlegungen zur Entwicklung ihres Betriebes durch drohende Erweiterung des Strelaparks und Ansiedlung von XXXLutz mit ihren jeweils massiven innenstadtrelevanten Sortimenten „ausgebremst“ werden. Es wäre deshalb gerade zum jetzigen Zeitpunkt ein überaus ermutigendes Signal, wenn die Hansestadt vor dem Hintergrund der neueren Entwicklungen diese Pläne aufgeben würde, zumal aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktentwicklung kaum mit steigender Kaufkraft zu rechnen ist.

Über den Stand der Überlegungen ist regelmäßig in den Ausschüssen für Stadtmarketing und für Wirtschaft, Tourismus und Gesellschafteraufgaben zu berichten.

*unverzüglich = „ohne schuldhaftes Zögern“, d.h. nicht zwingend sofort, aber so schnell wie irgend möglich


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