Datum: 06.10.2021
Einreicher: Dr. Heike Carstensen
Federführung: SPD-Fraktion
Vorlage: 0105/2021


Anfrage:

1. Wie viel Archivgut wurde bereits digitalisiert, wie viel soll noch digitalisiert werden (prozentual)?

2. Ist das Bereitstellen jeglichen digitalisierten Archivguts auf öffentlich zugänglichen Plattformen wie bspw. der Digitalen Bibliothek MV geplant?

3. Wie steht das Stadtarchiv zur digitalen Transkription größerer Schriftmengen mit Hilfe von Algorithmen, wie sie bspw. durch das Universitätsarchiv Greifswald in der Digitalen Bibliothek MV erfolgt?


Begründung:

Teile des Stadtarchivs der Hansestadt Stralsund sind bereits in digitalisierter Form zugänglich, jedoch noch nicht alles. Die Digitalisierung von Archivgut stellt nicht nur eine Sicherheitsmaßnahme zum Erhalt dar, sondern verschafft ebenso einen breiteren Zugang zum Archivgut für Forschung und Interessierte. Eine mit zur Verfügung gestellte Transkription ermöglicht es mehr Menschen, Archivalien zu lesen.


Frau Behrendt antwortet wie folgt: 

zu 1.: 

Bezogen auf den Gesamtbestand des Stadtarchivs ohne die Archivbibliothek sind 15 % digitalisiert. Differenziert nach Archivgutarten ergibt sich folgendes Bild: 

Zu nahezu 100 % digitalisiert sind der Urkundenbestand, die Fotosammlung, die Postkartensammlung und die Autographensammlung. Zu zwei Dritteln digitalisiert sind die Karten- und Grafiksammlung; Baupläne zu 25 % und die Plakatsammlung zu 16 %. Beim Aktenbestand sind neben einzelnen Akten bisher die Hanserezesse im Umfang von 141 Akten digitalisiert worden. 

Die Digitalisierung ist eine wichtige Aufgabe des Stadtarchivs und wird auf jeden Fall fortgeführt. Hierunter zu verstehen sind sowohl das Scannen der analogen Vorlagen als auch deren Onlinestellung. Das geschieht zum einen mit der eigenen Scan-Technik, zum anderen aber auch durch die Vergabe an Fremdfirmen. Ein aktuelles Projekt betrifft die Tageszeitung „Stralsunder Tageblatt“, die von 1898 bis 1942 erschienen ist. Bei diesem aktuellen Projekt geht es um die Digitalisierung und Onlinestellung von ca. 200.000 Zeitungsseiten. Dr. Dirk Schleinert hat hierfür im Bundesprogramm „NEUSTART Kultur“ erfolgreich Mittel beantragt. So erhält die Hansestadt Stralsund eine 90-prozentige Förderung aus dem Sonderprogramm WissensWandel. 

Bei der Digitalisierung des Aktenbestandes wird es immer nur um ausgewählte Bestände bzw. Teilbestände gehen können. Schwerpunktmäßig werden das in den nächsten Jahren sein: die Ratsprotokolle des 16. bis 19. Jahrhunderts, die Sitzungsprotokolle der verschiedenen bürgerschaftlichen Gremien seit dem 17. Jahrhundert, die älteren Personenstandsregister sowie weitere serielle Quellen. Auswahlkriterien sind einmal die Bedeutung für die Geschichte der Hansestadt Stralsund und zum anderen die Benutzungshäufigkeit. 

Bei der Karten- und Grafiksammlung, den Bauplänen und der Plakatsammlung wiederum wird die vollständige Digitalisierung angestrebt. 

zu 2.: 

Die Bereitstellung der Digitalisate auf der Internetplattform „Digitale Bibliothek MV“ ist nicht nur geplant, sondern wurde in begrenztem Umfang bereits realisiert. Diese digitale Plattform wird von der Universitätsbibliothek Greifswald betrieben. 

Zwei Projekte sind gegenwärtig in Arbeit: Die Onlinestellung der Hanserezesse des 14. bis 17. Jahrhunderts und eine Auswahl von mittelalterlichen Handschriften, die vom Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig bearbeitet worden sind. Die Möglichkeiten zur Onlinestellung der ersten Ratsprotokolle werden derzeit gerade geprüft. 

zu 3.: 

Für die automatisierte Transkription von Handschriften, d.h. die Umwandlung in maschinenlesbare Schrift, ist das Programm Transkribus entwickelt worden. 

Das Stadtarchiv setzt dieses Programm seit ca. zwei Jahren ein. In den letzten Monaten wurden damit die in deutscher Kurrentschrift beschriebenen 1.200 Karteikarten der mittelalterlichen Testamente bearbeitet. Diese Texte sind inzwischen in die Archivdatenbank eingefügt worden und zusammen mit den Scans der Testamente online recherchierbar. Gegenüber der Übertragung per Hand ergab sich eine Zeitersparnis von ca. 50 %. 

Der Einsatz dieser Technik lohnt sich aber nur bei großen Textmengen, die von derselben Hand geschrieben wurden. Sie funktioniert so, dass man zunächst einen bestimmten Umfang des zu bearbeitenden Textes per Hand transkribieren muss, damit das Programm eine Art Trainingsgrundlage hat. Jede neue Handschrift muss dementsprechend auch wieder neu trainiert werden. Das Universitätsarchiv setzt das Programm deshalb in erster Linie bei seriellen Quellen ein, die überwiegend von ein und derselben Hand geschrieben wurden, wie z. B. Konzils- und Senatsprotokolle. Ähnlich wird es auch im Stadtarchiv sein. Die oben bereits genannten Ratsprotokolle und die Protokolle der bürgerschaftlichen Gremien werden für dieses Programm besonders geeignet sein. 

Frau Dr. Carstensen ist erfreut über den derzeitigen Sachstand. Sie erfragt Ursachen für die begrenzte Bereitstellung auf der Plattform „Digitale Bibliothek MV“. 

Frau Behrendt verweist auf die Abhängigkeit von der Kapazität und den Ressourcen der Universitätsbibliothek in Greifswald. 

Auf die beantragte Aussprache wird verzichtet. 

Der Präsident der Bürgerschaft informiert, dass der durch die Hansestadt Stralsund beauftragte Livestream aufgrund technischer Störungen momentan nicht übertragen werden kann. Die Aufzeichnung der Sitzung ist davon nicht berührt. 

für die Richtigkeit der Angaben: gez. i.A. Steffen Behrendt 

Stralsund, 26.10.2021 

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